Lehrveranstaltungen im HS 2017

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Religionswissenschaftlicher Lehrauftrag der Altertumswissenschaften

Der religionswissenschaftliche Lehrauftrag der Altertumswissenschaften wurde im HS 2017 an Katharina Waldner vergeben. Sie unterrichtet ein Seminar unter dem Titel "Die Materiealität von (religiösen) Ritualen". Es findet montags von 12:15 bis 14 Uhr statt.

Vorlesung

48585-01: Antike Rhetorik: System und Performanz – Cicero 2 KP

Dozentin: Prof. Dr. Henriette Harich-Schwarzbauer

Zeit: Do 10.15-12 Uhr

Beginn: 21.09.2017

Ort: Kollegienhaus, Hörsaal 119


Die antike Rhetorik erhielt durch Cicero (110–43 v. Chr.) die Gestalt, die für die Theorie und die Praxis der Redekunst massgeblich werden sollte. Cicero, der seine Rednertätigkeit Ende der 80-er Jahre begann, hörte in seiner Jugend herausragende Redner wie den P. Sulpicius Rufus, der mit seiner ‚Tragödienstimme’ begeisterte. Er musste aber auch erleben, wie führende Redner enthauptet, andere zumindest ins Exil geschickt wurden, wenn die Macht ihrer Worte politische Sprengkraft besass und sie die Massen zu bewegen vermochten. Als Redner sollte Cicero früh umfassende Erfahrungen machen, immerhin war er als Ankläger wie als Verteidiger erfolgreich, wurde aber für seinen Redestil auch kritisiert (er sei ein ‚Asianer’). Überzeugend agierte Cicero dann mit seinen Reden als Konsul. Sprengkraft hatten seine fulminanten Wortattacken gegen Mark Anton, die allerdings zu seiner Ermordung führen sollten.
Cicero hatte früh feststellen müssen, dass die herkömmliche rhetorische Praxis der Gerichtsrede nicht mehr genügte, um dem Wort in der akuten Krise der römischen Republik ausreichend Gehör zu verschaffen. Die Rhetorik musste sich der aktuellen Gesellschaft stellen, dies war seine Überzeugung. Die Anwendbarkeit der griechischen Rhetorik stand also zur Disposition. Den idealen Redner auszubilden, hatte Cicero sich vorgenommen. Zwar existierte ein Handbüchlein zur Körpersprache des Redners (De gesticulatione), doch das war zu wenig. Früh (vor 81 v. Chr.) begann Cicero also eine Theorie der Rhetorik zu verfassen, deren erster Teil uns mit De inventione (Über das Auffinden des Stoffes) vorliegt. Eine Fortsetzung gab es erst 55–51, als Cicero, politisch ‚kaltgestellt’, die Theorie der Rhetorik aus römischer Sicht systematisch anging, mit den drei Büchern De oratore (Über den Redner). Die Bildung als Grundvoraussetzung für den Redner erörterte er umfassend, dem Appell an die Emotionen der Zuhörerschaft widmete er umfassende Reflexionen. Desgleichen befasste er sich auch intensiv der sprachlichen Ausgestaltung (elocutio), bei der er auf das Verhältnis von Rhetorik und Philosophie eingeht. Cicero schrieb später (46) eine Geschichte der römischen Beredsamkeit (Brutus) und den Orator (Über den vollkommenen Redner) und damit über den Prosastil, die Grundlegung der römischen Ästhetik.

Literatur:


- Wilfried Stroh, Cicero. Redner, Staatsmann, Philosoph. München 2008 (Beck Wissen 2440).
- Manfred Fuhrmann, Die antike Rhetorik. 6. überarbeitete Auflage München/Zürich 2011.

Kurs

41534-01: Einführung in die Latinistik: Sturmszenen in der römischen Literatur 3 KP

Dozentin: MA Anne-Sophie Meyer

Zeit: Fr 10:15-12 Uhr


Beginn: 29.09.2017
Ort: Kollegienhaus, Seminarraum 104

In dieser Einführung werden Sie mit den Grundlagen des Faches vertraut gemacht. Die spezifischen Eigenheiten dieser Textwissenschaft werden vorgestellt, in ihre wichtigsten Arbeitsmittel (Handbücher, Lexika, Texte, Übersetzungen ...) wird eingeführt und der Umgang mit ihnen eingeübt. Ein spezifischer Fokus liegt auch auf den Methoden und Theorien der Latinistik: Diese werden anhand von Beispielstexten (in diesem Semester rund um das Thema des Sturmes) vorgestellt und ihre Anwendung geübt. Die rechte Handhabung und die effiziente Nutzung von Texten der römischen Kultur für ein altertumswissenschaftliches Studium sowie für die Vertiefung im Schwerpunkt Latinistik werden geübt und erörtert.

Literatur:


P. Riemer/M. Weissenberger/B. Zimmermann: Einführung in das Studium der Latinistik, München 1998.
T. Schmitz, Moderne Literaturtheorie und antike Texte, Darmstadt 2002.
P. Krafft, Orientierung klassische Philologie, Reinbeck bei Hamburg 2001.
Die Texte, die im Unterricht behandelt werden, werden von Stunde zu Stunde in Kopie bereitgestellt.

Proseminar

48626-01: Catull und die Erneuerung der römischen Dichtung 3 KP

Dozent: Dr. Cédric Scheidegger Lämmle
Zeit: Do 12:15-14 Uhr
Beginn: 21.09.2017

Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183


Das latinistische Proseminar gilt dem jungen Wilden unter den Klassikern Roms: Catull, geboren um 80 vor Christus, ist Teil einer literarischen Avantgarde, die an der überkommenen lateinischen Literatur ebenso Anstoß nimmt wie an den Rivalitäten der Politiker und Potentaten. Von den Altvorderen als Jünglinge belächelt, verschreiben sich Catull und seine Dichterfreunde der radikalen Erneuerung der lateinischen Dichtung: Diese findet in raffinierten Formspielereien und gesuchten Anspielungen ebenso ihren Niederschlag wie in der neuen Innerlichkeit, die die Dichtung behauptet - Catull liebt, hasst, schwelgt, flucht und begehrt. Wie bei kaum einem andern Dichter der Antike fallen die Bewertungen Catulls deshalb widersprüchlich aus: Bald erscheint er als Vertreter eines gekünstelten Ästhetizismus, bald als Archeget einer Lyrik des authentischen Erlebens.

Eben diesen Widersprüchen will das Proseminar nachspüren, wenn es eine breite Auswahl aus Catulls Schaffen diskutiert - vom Aperçu in zwei Zeilen bis zum mythologischen Großgedicht.

Literatur

TEXT
Eisenhut, W. (ed.): Catulli carmina. Leipzig 1983.
* Mynors, R.A.B. (ed.): Catulli carmina. Oxford 1958.
TEXT & ÜBERSETZUNG
von Albrecht, M. (ed.): C. Valerii Catullus. Sämtliche Gedichte. Lateinisch / Deutsch. Stuttgart 1995 u.ö. (= Reclam UB 9395).
Holzberg, N. (ed.): Catull. Gedichte. Lateinisch - Deutsch. Düsseldorf 2009 u.ö. (= Samml. Tusculum).
KOMMENTARE
* Godwin, J.: Catullus. Poems 61-68. Warminster 1995.
* Godwin, J.: Catullus. The shorter poems. Warminster 1999.
Kroll, W.: C. Valerius Catullus. 5. Aufl. Stuttgart 1968.
Quinn, K.: Catullus. The poems. 2. Aufl. London 1973.
* Syndikus, H.P.: Catull. Eine Interpretation. 3 Bde. Darmstadt 1980/1987/1990.
ZUR EINFÜHRUNG
* Gaisser, J.H.: Catullus. Blackwell Introductions to the Ancient World. Malden, MA/London 2009.
Godwin, J.: Reading Catullus. Exeter 2008.
* Holzberg, N.: Catull: Der Dichter und sein erotisches Werk. München 2002 (u.ö.).
Skinner, M.B. (ed.): A Companion to Catullus. Malden, MA/London 2007.
EINE DETAILLIERTE BIBLIOGRAPHIE FOLGT ZU SEMESTERBEGINN

Übung

48625-01: Lektüre: Livius, "Ab urbe condita": Lektionen der Geschichte 3 KP

Dozentin: PD Dr. Petra Schierl
Zeit: Mo 14:15-16 Uhr
Beginn: 18.09.2017

Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Seminarraum S 181


2000 Jahre sind seit dem Tod des aus Padua stammenden römischen Geschichtsschreibers Titus Livius (59 v. Chr. - 17 n. Chr.) vergangen. Bis heute prägen die erhaltenen Bücher seines monumentalen Geschichtswerks "Ab urbe condita" unsere Vorstellung von Roms Aufstieg zur Weltmacht. In der Veranstaltung sollen ausgewählte Passagen zur Frühgeschichte Roms (Bücher 1-5) und dem Zweiten Punischen Krieg (Bücher 21-30) im lateinischen Original gelesen und ins Deutsche übersetzt werden.

Literatur:

Ein Reader wird zu Semesterbeginn zur Verfügung gestellt.

 

20747-01: Die Sprache des Plautus 3 KP

Dozent: Prof. Dr. Rudolf Wachter

Zeit: Do 14.15-16.00 Uhr

Beginn: 21.09.2017

Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Seminarraum S 183


Die Komödien des Plautus sind ein grossartiges Stück Literatur. Doch nicht nur das, sie bieten auch ein ungemein lebendiges Latein, ja wohl das spritzigste, das uns erhalten ist. (Auch als Fundgrube für Sätze zur Illustration der lateinischen Syntax sind sie im Übrigen unerschöpflich!) Dennoch scheuen sich viele Philologen ein wenig vor der Plautuslektüre, da die Sprache eben "altlateinisch" ist und manches etwas ungewohnt erscheint. Das Ziel unserer Veranstaltung ist es, uns so gut einzulesen und uns dabei die Charakteristiken und kleinen Schwierigkeiten des plautinischen Lateins so vertraut zu machen, dass bei der späteren, selbstständigen Lektüre lateinischer Komödien nur noch der reine Genuss bleibt.

Parallel zur Lektüre werden Metrik und Sprache, daneben aber auch durchaus literarische Aspekte, die gebührende Aufmerksamkeit erhalten. (A propos Metrik: Es wäre nützlich, vorgängig die wichtigsten Dinge, vor allem die Fertigkeit im Lesen und in der Analyse des iambischen Senars und des trochäischen Septenars, aufzupolieren; Hilfsmittel: Crusius-Rubenbauer). Für die Lektüre schlage ich die Menaechmi vor. Vorbereitung während der Semesterferien ist erwünscht!

 

48584-01: Einführung in die lateinische Metrik 3 KP

Dozent: Dr. Christian Guerra

Zeit: Mi 10.15-12.00 Uhr

Beginn: 20.09.2017

Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Seminarraum S 183


Im Kurs sollen die Grundlagen der lateinischen Prosodie und Metrik vermittelt werden. Der Schwerpunkt wird auf jenen Metren liegen, denen Studierende im Laufe ihres Studiums am häufigsten begegnen: daktylische Hexameter und Pentameter; jambischer Senar ; lyrische Versmasse), wir werden aber auch gelegentliche Ausblicke auf andere Erscheinungsformen wagen (Saturnier; Cantica; Prosaklauseln).

Kurse mit Prüfung

16501-01: Lateinische Sprachübungen I 3 KP

Dozent: Marcel Knaus

Zeit: Mo 16.15-18.00 Uhr

Beginn: 18.09.2017

Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 181

Die wichtigsten Grammatikphänomene werden wiederholt und anhand von deutsch-lateinischen Übungssätzen eingeübt. Daneben bereiten die Studierenden grammatikalische Analysen kurzer lateinischer Originaltexte vor. Dabei geht es auch darum, gute deutsche Wendungen zu erarbeiten. Das Übersetzen vom Deutschen ins Lateinische wird anhand von Rückübersetzungen von Phrasen und Wendungen der vorbereiteten Texte eingeübt. Kontinuierliche Wortschatzarbeit (deutsch-lateinisch) mit dem Klett Grundwortschatz nach Sachgruppen sowie die Erarbeitung ausgewählter Phrasen ergänzen die Spracharbeit. 

Literatur:

Grundwortschatz Latein nach Sachgruppen. Bearbeitet von Eberhard Hermes und Horst Meusel. Stuttgart 1988 u. ö.; Rubenbauer, Hans/Hofmann, J. B.: Lateinische Grammatik. Neubearbeitet von R. Heine. Bamberg/München 1975 u. ö.

 

13209-01: Techniken und Methoden des Übersetzens I 3 KP

Dozentin: Kathrin Schäublin
Zeit: Mo 16:15-18:00 Uhr
Beginn: 18.09.2017
Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Seminarraum S 184

1. Formenlehre: ausgewählte Kapitel

2. Einüben einzelner syntaktischer Phänomene anhand von Einzelbeispielen (Kasus-lehre - Infinitivkonstruktionen - Partizipialkonstruktionen - Gerundium/Gerundiv)

2. Übersetzungstraining an Hand von längeren Textpartien verschiedener Autoren (auch Hausarbeit)

3. Wörterarbeit

Literatur:

H. Rubenbauer/J.B. Hofmann, Lateinische Grammatik (Buchner/Lindauer/Oldenbourg: München 1975 u.ö.); Grundwortschatz Latein nach Sachgruppen (Klett: Stuttgart 1993 u.ö)

Seminare

48582-01: Die römische Villa aus literarischer und archäologischer Sicht 3 KP

Dozenten: Prof. Dr. Henriette Harich-Schwarzbauer und Prof. Dr. Martin A. Guggisberg
Zeit: Fr 10.15-12.00 Uhr

Beginn: 22.09.2017

Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Seminarraum S 01


Über antike Villen sind wir gut unterrichtet. Neben der villa rustica, für die ihre agrarökonomische Funktion zentral war und die das Gegenstück zur villa urbana ganz allgemein bildete, galt ab dem 1. Jh. v.u.Z. der römischen villa als Ort der Repräsentation, der Geselligkeit und auch der Sehnsucht besondere Aufmerksamkeit. Gut dokumentiert ist die villa in der Literatur, beginnend bei Cicero bis ins ausgehende 5. Jh. bei Sidonius Apollinaris. Beschreibungen dienen der Archäologie zur Rekonstruktion der Ensembles, die unter dem Begriff villa subsumiert werden. Bemerkenswert zahlreich sind die rekonstruierten Villen, die wir, auch in der näheren Umgebung (wie Heitersheim) sehen können, aber auch, wie wir sie als herausragende Sehenswürdigkeiten (Villa del Casale bei Piazza Armerina, Sizilien) im Imperium Romanum generell antreffen. Die Villen römischer Kaiser in der Umgebung von Rom sind hier besonders hervorzuheben (etwa die Villa Hadriana bei Tivoli), aber auch die archäologischen Reste der grossen Villen an den Abhängen des Vesuvs (Villa von Oplontis, Villa dei Misteri) oder die nicht minder beeindruckenden Anlagen in Nordafrika, die mit ihren reichen Malereien und Mosaiken und den aufwändig gestalteten Gärten, Bädern und Repräsentationstrakten einen lebendigen Eindruck von der verfeinerten römischen Wohnkultur geben.

Literatur:


Chr. Höcker, Villa, Der Neue Pauly, Enzyklopädie der Antike. Bd. 12/2, 210–221.
Hubert Cancik, Eine epikureische Villa. Statius Silvae II 2: Villa Surrentina, in: H. Cancik, Verse und Sachen. Hg. von Richard Faber und Barbara von Reibnitz. Würzburg 2003, 175–188.
L. Schneider, Die Domäne als Weltbild. Wirkungsstrukturen der spätantiken Bildsprache (Stuttgart 1983)
H. Mielsch, Die römische Villa: Architektur und Lebensform. München 1987.
R. Förtsch, Archäologischer Kommentar zu den Villenbriefen des jüngeren Plinius. Mainz 1993.
Alle Texte werden in lateinischer Sprache und auch in Übersetzung vorgelegt.
Weiterführende Literatur wird zu Semesterbeginn bekannt gegeben.

Kolloquien

48630-01: zur latinistischen Forschung 3 KP

Dozentin: Prof. Dr. Henriette Harich-Schwarzbauer

Termine: Fr 14:15-17.00 Uhr. Die Termine werden noch bekannt gegeben
Beginn: 06.10.2017

Ort: Rosshof, Tagungsraum 306


Im Forschungskolloquium stellen fortgeschrittene Studierende, Doktorierende und wissenschaftliche Mitarbeitende der Latinistik Qualifikationsarbeiten bzw. laufende Projekte vor. Zum intensiven wissenschaftlichen Austausch tragen zudem das gemeinsame interuniversitäre Forschungskolloquium mit Zürich und das latinistische Forschungskolloquium mit Freiburg i.Br. bei.

Programm [PDF (1.4 MB)]

Exkursion

48575-01 - Exkursion: St. Gallen – Stiftsbibliothek und Vadiana 2 KP

Dozentinnen: Prof. Dr. Henriette Harich-Schwarzbauer und Katharina Suter-Meyer
Termin: 20.10.2017
Vorbesprechung: 29.09.2017, 14-18 Uhr,
Ort: Rosshof, Tagungsraum 306

Terenz, Horaz, Ovid, Seneca, Cicero, Sallust, Orosius, Boethius und viele weitere zentrale Autoren der römischen Welt haben sehr früh ihren Weg nach St. Gallen genommen und wurden zu unerlässlichen Zeugen für die Textüberlieferung. Die jährliche Bibliotheksexkursion führt uns dieses Mal nach St. Gallen. Besuchen werden wir die Stiftsbibliothek sowie die Vadiana.
Die Stiftsbibliothek des Klosters, das seit dem 8. Jh. wichtige Texte beherbergt, kann uns über die prekäre Überlieferungssituation antiker Autoren wie kaum eine andere Auskunft geben. Nach der Gründung des Klosters im 7./8. Jh. und seines Wachstums, das auch die Vergrösserung der Bibliothek implizierte, nachdiversen Wechselfällen (Ungarneinfall; Brand des Kosters) im 10. Jh. stach St. Gallen im 10. und auch noch im beginnenden 11. Jh. durch die künstlerische Produktivität seines Scriptorium hervor, das bis ca. 1200 bestand. Im 15. und 16. Jh. setzte eine Renaissance ein, die seine herausragende Stellung gleichsam in Szene setzen sollte. Im Rahmen des Konzils von Konstanz (1414-1418) machten italienische Gelehrte (darunter Poggio Bracciolini) ‚Jagd’ auf die Handschriften von St. Gallen – und dies mit Erfolg. Mitte des 15. bis Ende des 16. Jh. erlebte die Bibliothek eine Renaissance, sie wurde zu einem Zentrum humanistischer Gelehrsamkeit. Dem namhaften St. Galler Reformator Vadian ist es zu danken, dass die Bibliothek die Reformation so unbeschadet überlebte.
Die Exkursion setzt sich die Aufgabe, die Überlieferungswege antiker Autoren am Beispiel von zwei Bibliotheken in St. Gallen zu zeigen und in die Benutzung von Handschriften und frühen Drucken einzuführen. Der spezielle Mehrwert, der sich aus der Sichtung vor Ort (auch gegenüber Internet-Bibliotheken) ergibt soll eingehend beleuchtet werden. Wir werden 1) die Stiftsbibliothek im Rahmen einer Spezialführung kennenlernen, um ihre immense Bedeutung für die Textüberlieferung zu erklären und ausgewählte Handschriften näher vorstellen. 2) werden wir durch den Besuch der Bibliothek des Reformators Vadian dessen Bücherbestand sichten und anhand von Beispielen Spuren von dessen Nutzen seiner Bibliothek verfolgen. Vor allem Recherchen aus unserem Forschungsprojekt zu Vadians Kommentartätigkeit (zur ‚Geographie’ des Pomponius Mela) wollen wir nutzen um zu erhellen, welche antiken Autoren Vadian tatsächlich einsah, wie man dies erkennen kann etc. und welche Qualität der Texte (z.B. der Naturgeschichte des Plinius) ihm zur Verfügung stand.

Literatur:

Gamper, Rudolf: Bibliotheca Vadiani, St. Gallen 2001.