Eine kurze Geschichte der Indogermanistik in Basel

Für die vergleichende Sprachwissenschaft wird in Basel erstmals 1874 eine Professur eingerichtet. "Vergleichende Sprachwissenschaft und Sanskrit" wird 1887 Prüfungsfach. 1910 erfolgt die Gründung des Seminars für Indogermanische Sprachwissenschaft. 1924 wird "Indo-Iranische Philologie" als eigenes Prüfungsfach eingeführt, 1971 die "Vergleichende Sprachwissenschaft" zur "Vergleichenden indogermanischen Sprachwissenschaft" umbenannt (parallel zur Einführung der "Vergleichenden romanischen Sprachwissenschaft"), und 1973 schliesslich wird noch "Hethitologie" als Nebenfach dem Fächerkanon beigefügt.

Eine eigene Professur speziell für das Fach existiert nur mit Unterbrechungen: 1874-1898 Franz Misteli, 1909-1925 Max Niedermann, 1915-1936 Jacob Wackernagel. Zeitweise werden Basler Professoren der Klassischen Philologie mit der Lehre beauftragt, v.a. Ferdinand Sommer 1902-1909. Zeitweise werden Gastdozenten beigezogen, v.a. Albert Debrunner (Bern) 1940-1949. Zeitweise wird der Lehrauftrag an einen Privatdozenten erteilt, v.a. Johannes Lohmann 1933-1940. Erst 1950 wird für Alfred Bloch wieder eine Professur geschaffen, die 1962 in einen zur gesetzlichen Verankerung vorgesehenen Lehrstuhl "für Vergleichende Sprachwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Indologie" umgewandelt wird.

Die grösste Katastrophe ereilt die Basler Indogermanistik bei der Emeritierung Alfred Blochs. Durch Regierungsratsbeschluss vom 8.12.1981 werden per 31.3.1982 der Lehrstuhl (nach 20 Jahren), das Seminar (nach 62 Jahren), sowie die Studienfächer "Indo-Iranische Philologie" (nach 57 Jahren) und "Hethitologie" (nach 8 Jahren) aufgehoben, durch Erziehungsratsbeschluss vom 22.6.1983 schliesslich per sofort auch das Studienfach "Vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft" (nach 96 Jahren). Einzig die Bibliothek kann bewahrt werden. Sie bildet fortan unter dem Namen "Indogermanistische Bibliothek" einen Teil der Bibliothek des Seminars für Klassische Philologie. Ferner kann sich die Klassische Philologie sechs Stunden "Griechische und Lateinische Sprachwissenschaft mit besonderer Berücksichtung indogermanistischer Gesichtspunkte" sichern, die durch zahlreiche Gastdozenten und Lehrbeauftragte erteilt werden.

Erst am 22.5.1997 schafft der unter dem neuen Universitätsgesetz nunmehr zuständige Universitätsrat in diesem Fachgebiet wieder eine Professur, und zwar durch Umwandlung der sechs Lehrauftragsstunden in ein nebenamtliches Extraordinariat "für Griechische und Lateinische Sprachwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung indogermanistischer Aspekte". Auf die neue Stelle wird Rudolf Wachter gewählt.